"Nichts ist fantastischer als die Wirklichkeit"
 
Federico Fellini

„Laila, Hala and Karima“ (Deutschlandpremiere)
Regie: Ahmed Abdel Mohsen Mohsen und Eduard Erne
Schweiz/Ägypten, 2012, 52 min. OF mit deutschem Voice-Over

Drei ägyptische Künstlerinnen, die wie viele Künstler als Aktivistinnen im Herzen des Aufbruch standen, reflektieren über ihr letztes Jahr im revolutionären Kairo. Eine berührende Innenansicht der Revolution - drei starke, kreative Frauen auf der Suche nach einer Balance zwischen emotionaler, kämpferischer und künstlerischer Teilnahme und einem vermeintlichen Alltag.
Die Theaterregisseurin Laila Soliman verarbeitete Themen und Erfahrungen aus der Revolution in verschiedenen Theaterprojekten. Ihr Stück «Lessons in Revolting» (2011) wurde unter anderem beim Theaterspektakel in Zürich gezeigt. Die Künstlerin und Filmemacherin Hala Elkoussy realisierte ein Kunstprojekt zum Gedenken an die Märtyrer/innen und war monatelang auf dem Tahrir-Platz aktiv. Die Choreographin und Tänzerin Karima Mansour arbeitete im Januar 2011 in der Schweiz an einer neuen Choreographie, als die Revolution begann. Sie eilte nach Kairo und kämpft seither für die Veränderungen in ihrem Land.

La Vierge, les Coptes et Moi

Die Jungfrau, die Kopten und ich (Leipzig-Premiere)
Regie: Namir Abdel Messeeh
Frankreich/Katar/Ägypten, 2012, 85 min., OF mit engl. UT

Dieser Familien- und Culture-Clash-Kömodie gelingt es spielend, die ganz grossen Themen Religion, Familie und Wahrheit in einer wilden, vermeintlich dokumentarischen Geschichte zu verbinden, die bei der Berlinale für ausgelassene Lacher im Kino sorgte.
Namir stammt aus einer Familie koptischer Christen und lebt in Paris. Als seine Mutter behauptet, auf einem Video aus ihrer ägyptischen Heimat eine Erscheinung der Jungfrau Maria gesehen zu haben, beschließt er, der säkular in Frankreich aufgewachsen ist, über das Phänomen der Marienerscheinungen einen Film drehen. Seine Reise zu seinen ägyptischen Verwandten auf dem Land gerät allerdings zum Hindernislauf und der Film droht bald zu scheitern. In schierer Verzweiflung beschließt Namir, die Sache mit dem Wunder selbst in die Hand zu nehmen…
Ein Film über die Kunst des Filmemachens. Mit viel Humor und Charme entlarvt Namir Abdel Messeeh in seinem Langfilmdebüt die filmischen Manipulationen des Dokumentarfilms.

„BERICHT … EINER REVOLUTION“ (Leipzig Premiere)
ALTHAWRA… KHABAR
Regie: Bassem Mortada
Ägypten 2012, 62 min., OF mit engl. UT

Kann man als Journalist über eine Revolution berichten, während sie stattfindet? Wie verhält man sich im Zwispalt zwischen dem Berufsethos des Reporters, der zu neutraler Berichterstattung verdammt ist und dem Wunsch, als Aktivist für Demokratie und Erneuerung kämpfen zu wollen?
„Bericht… einer Revolution“ wurde in den 18 Tagen der ägyptischen Revolution gedreht. Sechs junge Journalisten zeigen ihre Aufnahmen, die unter Lebensgefahr entstanden und sie erzählen, wie sie diese Wochen unversehrt überleben konnten – obwohl sie bald zur Zielscheibe wurden, weil sie mit ihren Bildern und Berichten Urteil ablegten über die Grausamkeiten des Mubarak Regimes.

Tahrir Cinema - Cinerevolution Now!

In diesem Programm zeigen wir Kurzfilme und Videos der Gruppe Mosireen, einer Medieninitiative aus Downtown Kairp, die inmitten der Revolution gegründet wurde, um den vielen Menschen, die die Demonstrationen medial begleitet haben, eine Basis zu geben, in der sie ihre Videos produzieren können. Bewaffnet mit Mobiltelefonen und Kameras sind im letzten Jahr tausende Ägypter auf den Strassen gewesen, um den vielfältigen Protest, die gewaltttätigen Reaktionen des Regimes und die Explosion der kulturellen Vielfalt zu dokumentieren. Sie nahmen auf, was sich vor Ihren Augen abspielte, sie entwarfen Gegenbilder zur herrschenden Medienberichterstattung und unterliefen so die Zensur. Ihr YouTube Channel war bald einer der meistgesehen non-profit-Kanäle und versorgt seitdem die Menschen in Ägypten und weltweit mit Bildern aus der Mitte der Tahrir-Community.